Hektische Schritte hallten von den grauen Wänden der umstehenden Häuser wieder. Mein eigenes Keuchen erfüllte die Nacht, während das dreckige Wasser der Pfützen gegen meine Beine spritzte. Ich sprang über eine niedrige Mauer und überquerte die breite Hauptstraße ohne auf die Autos zu achten. Dafür hatte ich keine Zeit. 

Schnell verschwand ich in der nächsten Gasse. Schlitternd bog ich nach rechts ab und fand trotz der nicht vorhandenen Beleuchtung den Weg auf eine weitere, wenig befahrene Straße, die mich direkt zu meinem Ziel führte. 

Ich kannte jeden Winkel dieser trostlosen Stadt, jede Abkürzung, jeden noch so unbedeutsamen Ort - eine der wichtigsten Voraussetzungen für meinen Job.     

Das dichte Blattwerk der umliegenden Bäume versperrte mir zum Teil die Sicht auf einen hohen Kirchturm. Zwischen den Ästen konnte ich die beleuchtete Uhr sehen. 

Ich erlaubte mir einen kurzen Blick auf ihr Ziffernblatt. 

Statt des Stundenzeigers bewegten sich zwei Sekundenzeiger. Einer war nur einen Schlag von dem anderen entfernt. Verdammt, der andere Runner war dicht hinter mir.  

Mit zusammengepressten Zähnen beschleunigte ich meine Schritte und wurde noch schneller. Ich konnte es mit jedem normalen Menschen aufnehmen. Ich war sogar schneller als die besten Läufer der Welt. Doch gegen die Runner von Morti hatte auch ich meine Probleme. 

Nicht mehr weit, dann hatte ich mein Ziel erreicht.  

In Gedanken rief ich noch einmal das Bild, das mir meine Taschenuhr gezeigt hatte, auf. 

Eine junge Frau. Sie lag in einem Krankenhaus. Ärzte und Schwestern bewegten sich hektisch und kämpften um ihr Leben - genau wie ich. 

Keine Sorge, ich bin gleich da!

Licht blendete mich von der Seite und ich konnte gerade rechtzeitig zur Seite springen, bevor ein dunkles Auto aus einer Seitenstraße an mir vorbei raste. 

Ein großer Nachteil bei einem Run war, dass niemand einen sah. Oft verlor ich Zeit, weil mir Menschen im Weg standen oder mich Autos beinahe anfuhren. Auch jetzt hatte ich wertvolle Sekunden durch mein Ausweichen verloren. Sekunden, die der Frau im Krankenhaus das Leben kosten könnten. 

Innerlich fluchend rannte ich weiter und sah endlich die Lichter des Krankenhauses.  

Nur noch wenige Meter. 

Neben mir hörte ich plötzlich etwas rascheln. Kurz darauf kam jemand zwischen den dichten Büschen, die den dahinterliegenden Park verbargen, hervor und nahm die Verfolgung auf. 

Er war größer als ich, hatte lange kraftvolle Beine, die unerbittlich näher kamen. 

Scheiße! 

J.D. – der beste Runner aus Mortis Team und mein größter Konkurrent. 

Unter seiner langen Adlernase breitete sich ein hässliches Grinsen aus. Seine zu einem Zopf gebundenen Haare flogen hinter ihm her, genau wie der schwarze Mantel. 

J.D. – wer nannte sich schon J.D. Nur eine schreckliche Abkürzung, für einen sicherlich noch schrecklicheren Namen; Jens Darwin zum Beispiel oder Jürgen Donald. 

Ich verdrehte die Augen und J.D. lachte, als er auf meiner Höhe war. Beinahe im Gleichtakt rannten wir nebeneinander her. Unser schwerer Atem begleitete uns in der sonst so ruhigen Nacht. 

Hinter uns ertönten heulende Sirenen. Ein Krankenwagen näherte sich und obwohl wir mitten auf der Straße liefen, schien er nicht ausweichen zu wollen. 

Was sagte ich noch zu den Nachteilen eines Runs? Hier war er und er würde uns, ohne es zu wissen, überfahren. 

J.D. und ich starrten uns kurz an, aber keiner von uns wollte wichtige Zeit vergeuden, die ein Ausweichen geraubt hätte. 

Als der Krankenwagen mit quietschenden Reifen hinter uns zum Stehen kam, stürmten wir gerade rechtzeitig in die Eingangshalle.

Niemand nahm Notiz von uns, während wir dem engen Gang folgten und uns gegenseitig immer wieder an die Wand stießen und versuchten den jeweils anderen zu Fall zu bringen.

Schließlich kamen wir rangelnd in Zimmer fünfunddreißig an.

Wie es meine Uhr gezeigt hatte, tummelten sich Ärzte und Schwestern um eine junge Frau und versuchten sie zurück ins Leben zu holen. Geräte piepten, hektische Stimmen riefen Befehle. Auf einem Bildschirm war eine gleichbleibende Linie zu sehen - ihr Herz schlug nicht mehr.  

Ich stürmte mit ausgestreckter Hand auf die Frau zu. Ich bin hier! Ich bin da! Du wirst heute nicht sterben!  

Im letzten Moment spürte ich einen scharfen Schmerz in meinen Kniekehlen und ich stürzte nur wenige Zentimeter vor der Frau zu Boden. 

Als ich aufblickte hatte J.D. die Hand der jungen Frau bereits ergriffen. Ein siegreiches und teuflisches Lächeln zugleich breitete sich auf seinem Gesicht aus. 

„Todeszeitpunkt – Drei Uhr Vierzehn“,  hörte ich einen der Ärzte sagen.  

Keuchend sackte ich in mich zusammen und schloss die Augen. 

Ich hatte es nicht geschafft. Ich hatte verloren – schon wieder. 

Ein Hustenanfall schüttelte meinen Körper, während ich mich langsam erhob und in Begleitung eines unheilvollen Glockenschlages das Krankenhaus verließ. 

Das Geräusch schmerzte noch lange Zeit später, denn es war das Geräusch von Mortis Sieg. 

 

„Was ist los, Mitchi?“ 

Ich betrachtete Fee dabei, wie sie rote Flüssigkeit aus dem Cocktailmixer in zwei Gläser füllte. Eine aufgespießte Sternfrucht kam dazu und beide Gläser wurden auf ein Tablett gestellt. Einen Herzschlag später kam eine Kellnerin und nahm sie mit. 

„Hm?“ 

Blinzelnd sah ich zu ihr auf. Die schönsten blauen Augen der Welt sahen mich besorgt an. Ihre vollen Lippen waren verzogen und eine Strähne ihres schwarzen Haares fiel ihr ins Gesicht. 

Ich hob meine Hand und klemmte die losen Haare hinter ihr Ohr. Sie lächelte weich und küsste die Innenseite meiner Hand. 

„Nur wieder einen Scheißtag gehabt.“ 

Sie verzog erneut das Gesicht.  „Du hast in letzter Zeit viele Scheißtage.“ 

Ich zuckte uninteressiert mit den Schultern. „Bin irgendwie nicht so fit. Vielleicht sollte ich mit dem Trinken aufhören.“

Um meinem Vorschlag Nachdruck zu verleihen, prostete ich ihr zu und nahm einen Schluck von dem Whiskey. Die Flüssigkeit brannte angenehm in meiner Kehle. Ich unterdrückte den Hustenreiz, der sich erneut in meinem Hals festsetzte.  

Fee schüttelte den Kopf, grinste jedoch dabei und machte sich an den nächsten Cocktail.

„Wann macht ihr heute dicht?“ 

„Schätzchen, wir machen dicht, wenn kein Gast mehr da ist.“ 

Ich drehte mich auf dem Barhocker und sah mich in der modernen Bar um. Indirektes, blaues Licht ließ es hier kalt und ungemütlich wirken. Tische und Stühle waren so sauber, als hätte hier nie jemand gesessen. Und doch waren viele junge Leute da, die sich angeregt über Börsenentwicklung oder irgendeinen anderen Scheiß unterhielten. 

Nie im Leben, hätte ich einen Fuß in diese Bar gesetzt, wenn nicht ausgerechtet hier der schönste schwarzhaarige Engel der Welt arbeiten würde.   

„Was ist, wenn ich alle rausschmeiße?“, fragte ich scherzhaft und wandte mich an Fee. Aber sie beachtete mich nicht, sondern schüttelte Konzentriert den Mixer.

Mein Blick fiel auf die Uhr hinter ihr. Zwei Sekundenzeiger standen still übereinander. 

Verdammt! 

Ich holte meine Taschenuhr hervor. Auch hier waren nur zwei Sekundenzeiger. Auf dem Glas, das das Ziffernblatt schütze, spiegelte sich immer deutlicher ein Bild. 

Ein Junge. Vielleicht acht oder neun Jahre. Er lag in seinem Bett und krümmte sich unter einem heftigen Hustenanfall. Kurz darauf verschwamm das Bild und stattdessen formte sich ein Neues. Das Haus des Jungen. 

Ich wusste sofort wo es lag. 

Nach einem kurzen Blick auf die Sekundenzeiger, die sich immer noch nicht bewegten, stürmte ich aus der Bar. Nun begannen sie zu ticken. 

Das Wettrennen um Leben oder Tod begann aufs Neue.  

 

Fee bewegte sich im Schlaf und schmiegte sich schmatzend an meine Brust. 

Obwohl ich den letzten Run gewonnen hatte und so den Jungen retten konnte, war ich nicht glücklich. Wieder war es sehr knapp gewesen und beinahe hätte der Runner von Morti gewonnen. Dabei war es einer der schlechtesten aus seinem Team gewesen.

Ich war nicht mehr fit genug für diesen Job. 

Zweiundvierzig, Raucher und Alkoholiker – keine guten Voraussetzungen. 

Im Gegensatz zu den jungen Runnern lief ich wie eine Großmutter nach einer Hüft-OP. 

Es wunderte mich, dass Viki, die Verkörperung des Lebens und zugleich mein Boss, mich nicht schon längst aus dem Verkehr gezogen hatte. 

Seit ich mit achtzehn die Aufgabe bekam, als ihr Runner zu arbeiten, stand ich in ihrem Dienst und kämpfte dafür, dass Menschen, die im Sterben lagen, weiter leben konnten. Meiner Meinung nach wurde es langsam Zeit für mich in den Ruhestand zu gehen. Nur was hatte ich schon zu sagen. 

Wenn die Menschen begannen mich zu ignorieren, wenn auf jeder Uhr zwei Sekundenzeiger zu sehen waren und das Glas meiner Taschenuhr mir Bilder von sterbenden Menschen zeigte, dann musste ich laufen, denn es war meine Pflicht diese Leben zu retten. 

Und jedes Mal, wenn ich verlor und der Runner von Morti, dem Tod, schneller war, hinterließ es eine schmerzende Kerbe in meiner Seele, die nie verschwand. 

Ich seufzte. Wenn das wenigstens mein einziges Problem wäre. Viel schlimmer war es, dass ich niemandem davon erzählen konnte. 

Wer glaubte einem schon, wenn man sagte, man bestritt Wettrennen um Leute zu retten? 

Und wem sollte ich es überhaupt erzählen? Es gab niemanden mehr. Alle hatten sich von mir abgewandt. 

Kein Wunder, denn bei jedem Run wurde ich wie unsichtbar und die Leute um mich herum vergaßen mich. Erst wenn der Run vorbei war und ich wieder vor ihnen stand, beschwerten sie sich, wo ich die letzte Stunde gewesen war. 

Sie verstanden es alle einfach nicht - bis auf Fee. 

Fee war mein Engel in den dunkelsten Stunden. Fee stellte keine Fragen, sie wunderte sich nicht, sie war nicht misstrauisch. Fee akzeptierte mein Verschwinden und hakte nicht nach. Fee war einfach der Wahnsinn und ich liebte sie wie nichts anderes auf der Welt.

Kurz umarmte ich sie fester, bevor meine Lippen ihre Stirn berührten. 

Ich schloss die Augen und der Schlaf umfing mich mit offenen Armen. 

 

Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen lehnte ich an dem Kopfteil unseres Bettes und betrachtete die Kehrseite von Fee. Lediglich mit einer engen, roten Hot Pans und ihrem blauen Schlaftop stand sie vor mir und bückte sich nach ihrer Hose. 

„Oh ja“, murmelte ich verschlafen. „Mach das noch mal.“ 

Verwundert drehte sie sich um und verstand zunächst nicht was ich meinte. Als ich anzüglich grinste sprang eine ihrer Augenbrauen in die Höhe. Mit einem verschmitzten Lächeln bückte sie sich tatsächlich erneut und wackelte sogar mit ihrem Hintern. 

Zur Hölle, womit hatte ich sie bloß verdient. 

Sie griff nach meinem T-Shirt und warf es mitten in mein Gesicht. 

„Hey! Ist die Vorstellung schon zuende?“ 

„Zieh dich an, du Gaffer“, sagte sie lachend und verschwand im Bad. 

Seufzend begab ich mich in eine sitzende Position. 

Ich betete, dass jetzt niemand in meiner Nähe im Sterben lag. Es war Sonntag und vor den Fenstern schien die Sonne. Der perfekte Morgen, um ihn mit Fee zu verbringen. 

Kaum hatte ich an sie gedacht, tauchte sie im Türrahmen auf. Ihre langen Haare hatte sie zu einem hohen Zopf gebunden, den ich gerne wieder gelöst hätte. 

Sie kam zu mir und schwang dabei elegant ihre Hüften. 

„Soll ich uns Croissants zum Frühstück holen?“ 

Ich bekam ihre Hand zu fassen und zog sie zu mir herunter. 

„Womit habe ich dich eigentlich verdient?“ 

„War das jetzt ein ja?“ 

Statt einer Antwort gab ich ihr einen Kuss. Liebend gerne hätte ich ihn vertieft, doch sie zog sich von mir zurück. 

„Wenn du so weiter machst, kommst du gar nicht mehr aus dem Bett.“ 

Ich grinste. „Wer sagt denn, dass ich das überhaupt möchte?“ 

Sie gab mir einen sanften Schlag auf die Schulter und löste sich von mir. 

„Bis gleich.“ 

Ich versuchte sie vom Bett aus noch zu fassen, doch sie wich mir grazil aus und verschwand aus der Wohnungstür. 

Einen kurzen Moment gönnte ich mir noch in dem warmen, gemütlichen Bett, bevor ich hustend aufstand und Kaffee aufsetzte. 

Ich schaltete das Radio ein und lauschte der Musik, während ich mich auf den Balkon stellte und mir eine Zigarette anzündete. Der Rauch füllte meine Lungen und mein Blick glitt auf die große Uhr des Kirchturmes. Der Gedanke an die Frau, die ich nicht retten konnte trieb in meinem Kopf umher und brachte mir einen schmerzhaften Stich in der Brust ein. 

Vielleicht sollte ich mit dem Rauchen aufhören? 

Ich betrachtete die Zigarette und schnippte sie schließlich über das Geländer des Balkons. 

Entgegen meines Willens sah ich wieder zur Uhr - und seufzte. 

Bitte nicht jetzt. Zwei Sekundenzeiger standen still und warteten nur darauf, dass sich die Runner in Bewegung setzten. 

Zur Hölle!

Wütend rannte ich zurück ins Schlafzimmer zu meiner Hose, in der sich die unscheinbare Taschenuhr befand. 

Ein Sekundenzeiger bewegte sich bereits und das war nicht ich. Scheiße! 

Das Bild und somit mein Ziel erschien auf der spiegelnden Oberfläche – mein Herz blieb stehen. 

Es war Fee. Meine Fee. Nein, nein, nein! Sie lag auf dem Boden, neben ihr das Fahrrad mit dem sie zum Bäcker gefahren war. Sie blutete aus der Nase und aus dem Mund. Menschen standen um sie herum und nicht weit entfernt stand ein Auto. Sie lag genau auf der Kreuzung vor diesem verdammten Bäcker. 

Fee lag im Sterben. Und nur ich konnte sie retten. 

Ich stürmte aus der Wohnung und rannte. Ich rannte so schnell wie noch nie in meinem Leben. Schneller als ich es je zuvor getan hatte. Meine nackten Fersen gruben sich schmerzhaft in den Asphalt. Ich ignorierte es, während mir das Herz bis zum Hals schlug und Panik meine Kehle zuschnürte. Meine Fee. Nein, das ließ ich nicht zu. Fee musste leben und es war meine Aufgabe, dass es so blieb. 

Es war zum Glück nicht weit. In weniger als einer Minute konnte ich die Kreuzung sehen – und J.D.. Er kam aus der gegenüber liegenden Straße. Sein schwarzer Mantel kam mir zum ersten Mal angsteinflößend vor. Wenn er schneller war dann – nein, ich war schneller. Ich musste schneller sein. 

Etwas prallte brutal gegen meine Seite und schleuderte mich zu Boden. Ein Auto war aus einer Seitenstraße gekommen und hatte mich erwischt. Schmerz jagte durch meinen gesamten Körper. Kurz wurde mir schwarz vor Augen. Scheiß drauf! Sofort rappelte ich mich auf, ignorierte die Schmerzen und konzentrierte mich nur auf Fee. Das Atmen fiel mir schwer. Meine Sicht verschwamm erneut, aber ich wurde nicht langsamer. 

Nur noch ein paar Schritte. Ich brüllte auf, während J.D. und ich zeitgleich auf Fee zukamen. Gleich, ein paar Zentimeter noch. Meine Hand berührte Fee zur gleichen Zeit wie J.D. 

Erstarrt wartete ich was passierte. 

„Alles klar“, sagte ein Sanitäter. „Sie ist stabil.“ 

Erleichtert sackte ich in mich zusammen, nur um kurz darauf unter Schmerzen zu Husten. Ich schmeckte Blut. Verdammt! 

Schwerfällig richtete ich mich auf und schleppte mich auf den Bürgersteig, damit niemand über mich stolpern konnte.  

„Guter Run, Mitchi-Boy.“ 

„Ach fick dich“, keuchte ich und ließ mich an der Mauer zu Boden gleiten. 

Ein Prickeln durchfuhr mich. Der Run war vorbei und wir waren wieder für jeden sichtbar.

„Hey, du siehst beschissen aus.“ 

Vor meine Augen schob sich ein Schleier, trotzdem sah ich zu J.D. auf, der jedoch auf seine Taschenuhr starrte.

Sein Gesichtsausdruck war zuerst überrascht, doch dann grinste er boshaft. 

„Oh, das wird ja ein Kinderspiel.“ 

Meine Finger und Füße kribbelten, trotzdem holte ich ungeschickt meine Taschenuhr aus der Hosentasche. 

Auf der Oberfläche des Glases zeigte sich eine Gestalt, die auf einem Bürgersteig saß und blutend an der Wand lehnte. Ich erstarrte - die Gestalt war ich. 

„Fuck!“ 

Ich lag im Sterben und der Runner des Todes stand genau vor mir. 

„Ey, sorry Kumpel“, sagte er und betrachtete scheinbar gelangweilt seine Fingernägel. „Zur falschen Zeit, am falschen Ort, was?“ 

Mit einem teuflischen Grinsen kam er auf mich zu und streckte die Hand nach mir aus.   

Meine Augen schlossen sich flatternd. Ein bitteres Lachen stieg in mir auf. „Scheiße Viki“, murmelte ich undeutlich. „So… so hab‘ ich mir den Ruhestand nicht vorgestellt.“ 

Das Letzte was ich spürte, war eine Hand auf meiner Schulter, begleitet von dem Geräusch meines letzten Atemzuges und eines weit entfernten Glockenschlages. 

 

 

Coverdesign von http://way-of-butterfly-art.jimdo.com/